Millionen-Einsparungen: Warum nachhaltige Beschaffung und intelligente Produktion Ihr nächster Schritt sein sollten




Nachhaltige Beschaffung und intelligente Produktion sind keine Modewörter, sondern strategische Entscheidungen, die darüber entscheiden, wer in Zukunft die Nase vorn hat (und wer zurückbleibt). In seinem Expertenblog erklärt Ronald Batenburg, wie man als Unternehmen nachhaltig einkauft.
Europa steht an einem Scheideweg. Die industrielle Basis ist zwischen 2000 und 2024 um ein Viertel geschrumpft. Die Abhängigkeit von Lieferanten außerhalb Europas und von fossilen Energieträgern macht uns anfällig für Krisen. Die Europäische Kommission setzt daher mit dem „Clean Industrial Deal“ voll und ganz auf Reindustrialisierung, Ökologisierung und Kostenoptimierung.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Rohstoffvorräte: Die Süßwasservorräte schwinden, Wälder verschwinden und Rohstoffe werden knapper. Das stellt eine direkte Bedrohung für die Kontinuität dar. Gleichzeitig erschließt Innovation neue Märkte: Intelligente, nachhaltige Lösungen ziehen neue Kunden an und machen Unternehmen weniger abhängig von schwankenden Preisen und Importen.
Nachhaltige Beschaffung bedeutet, entlang der gesamten Lieferkette bewusste Entscheidungen zu treffen: von der Materialauswahl über den Transport bis hin zu den Arbeitsbedingungen. So bezieht Philips seit 2020 für Verpackungen ausschließlich Holz mit FSC- oder PEFC-Zertifizierung und verlangt von seinen Lieferanten, dass sie am „Supplier Sustainability Program“ teilnehmen. Das Ergebnis: CO₂-Reduzierung, geringere Abfallkosten und stärkere Lieferantenbeziehungen.
Interface (Hersteller von Teppichfliesen) verwendet zu 100 Prozent recyceltes Garn und entwickelt sogar CO₂-negative Produkte. Damit ist es dem Unternehmen gelungen, große internationale Kunden wie Google und ING als Kunden zu gewinnen.
Bei der intelligenten Produktion dreht sich alles um Technologie, Daten und Automatisierung, um effizienter, flexibler und nachhaltiger zu arbeiten. Man denke an Industrie 5.0: den Einsatz von KI, IoT und Robotik zur Prozessoptimierung in Verbindung mit menschlichem Fachwissen und gesellschaftlicher Wertschöpfung.
Auch die Energieeffizienz spielt eine große Rolle, beispielsweise durch die Umstellung auf Solar- und Windenergie oder erneuerbare Wärmequellen. Die Lokalisierung (Verlagerung der Produktion näher an den Absatzmarkt) verringert Risiken und verkürzt Lieferzeiten. ASML nutzt digitale Zwillinge und IoT-Sensoren für die vorbeugende Wartung, wodurch Stillstandszeiten sinken und Verschwendung begrenzt wird. Die Eisfabrik von Unilever in Hellendoorn wird teilweise mit erneuerbarer Wärme betrieben und nutzt intelligente Software, um 15 Prozent weniger Verschwendung zu erzielen.
Unternehmen, die auf nachhaltige Beschaffung und intelligente Produktion setzen, profitieren deutlich von ihren Bemühungen. So führte die Neugestaltung von Verpackungen und der Einsatz nachhaltigerer Materialien bei Philips zu erheblichen Kosteneinsparungen in Millionenhöhe. Auch in geschäftlicher Hinsicht eröffnet dieser Wandel neue Möglichkeiten: Interface gelang es dank seines nachhaltigen Ansatzes, Zugang zu internationalen Ausschreibungen zu erhalten, deren Anforderungen Wettbewerber nicht erfüllen konnten.
Zudem macht die Verlagerung der Produktion an näher gelegene Standorte Unternehmen weniger abhängig von komplexen, globalen Lieferketten. Kürzere Lieferzeiten und eine geringere Anfälligkeit für Störungen erhöhen die Krisenresilienz. Und nicht zu vergessen: Unternehmen, die nachweislich nachhaltig arbeiten, bauen eine starke Arbeitgebermarke auf und ziehen häufiger junge, motivierte Talente an.
Dennoch ist der Weg zu einer nachhaltigen Beschaffung und Produktion nicht ohne Herausforderungen. Oft sind erhebliche Anfangsinvestitionen in Technologie, Forschung und Entwicklung sowie Zertifizierungen erforderlich. Zudem ist es in vielen Branchen schwierig, über verlässliche Daten aus der gesamten Lieferkette zu verfügen, wodurch die Messung der tatsächlichen Auswirkungen komplex bleibt.
Hinzu kommt, dass Unternehmen mit komplexen und vielfältigen Rechtsvorschriften konfrontiert sind, die sich von Land zu Land stark unterscheiden können. Auch die Unsicherheit hinsichtlich der Amortisationszeit innovativer Lösungen führt dazu, dass manche Organisationen zurückhaltend sind.
Bei einem Teil der Unternehmen liegt der Fokus nach wie vor stark auf kurzfristigen Ergebnissen, wodurch langfristige Investitionen schwer zu rechtfertigen sind. Zudem fehlt es oft an Wissen über verfügbare Fördermittel und Programme wie „Horizon Europe“ oder den Innovationsfonds. Manchmal besteht auch die Befürchtung, dass die Umstellung auf Nachhaltigkeit laufende Prozesse stören könnte.
Gleichzeitig wächst der Druck von Kunden und Partnern in der Lieferkette, nachhaltiger zu werden. Die Behörden bieten großzügige Fördermittel und günstige Finanzierungsmöglichkeiten an, wodurch Investitionen attraktiver werden. Zudem verschafft nachhaltiges Handeln heute oft einen Wettbewerbsvorteil bei Ausschreibungen und auf Exportmärkten.
Experten vergleichen diesen Moment mit der ersten industriellen Revolution, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Heute geht es um Wachstum im Einklang mit unserem Planeten. Unternehmen, die sich heute für nachhaltige Beschaffung und intelligente Produktion entscheiden, bauen ein robustes, zukunftsfähiges und profitables Unternehmen auf.
Die Frage ist also nicht, ob sich die Branche verändert, sondern wie schnell und geschickt du dich darauf einstellst. Nachhaltige Beschaffung und intelligente Produktion sind keine Luxusprojekte, sondern der Schlüssel zu zukunftsfähigem Unternehmertum.
Unternehmen, die heute den Anfang machen, sind morgen die Vorreiter: effizienter, profitabler und attraktiver für Kunden und Investoren. Sie haben die Wahl: Halten Sie an alten Mustern fest oder nehmen Sie Kurs auf eine sauberere, intelligentere und widerstandsfähigere Zukunft?
1. Erfassen Sie Ihre derzeitigen Auswirkungen – messen Sie den Energieverbrauch, die Materialflüsse und die CO₂-Emissionen entlang der gesamten Lieferkette.
2. Wählen Sie eine umsetzbare Sofortmaßnahme – zum Beispiel die Umstellung auf recycelte Verpackungsmaterialien oder eine Energiesparmaßnahme.
3. Beziehen Sie Lieferanten und Kunden mit ein – formulieren Sie gemeinsame Nachhaltigkeitsziele und Vereinbarungen zur Überwachung.
4. Nutzen Sie Fördermittel – denken Sie beispielsweise an „Horizon Europe“, SDE++ und regionale Innovationsfonds.
5. Fangen Sie klein an und skalieren Sie schnell – beginnen Sie mit einem Pilotprojekt, sammeln Sie Erfahrungen und führen Sie erfolgreiche Maßnahmen flächendeckend ein.
Tipp: Planen Sie innerhalb von 30 Tagen eine interne Sitzung, um diese Schritte durchzugehen, und entscheiden Sie noch heute, womit Sie beginnen.
